Sossenheim

Sossenheim – früher

Sossenheim wird erst im Jahre 1218 in einer offiziellen und gesicherten Urkunde erwähnt. Damit tritt es für die Geschichtsschreibung in das Licht der Geschichte. Sicherlich ist es aber wesentlich älter, da sein Gründer, vermutlich ein Franke namens ,,Suzo”, sich bereits um 600 n.Chr. hier zwischen Mainz und Frankfurt ansiedelte. Viele andere fränkischen Dörfer im Umkreis, deren Namen ebenfalls auf -heim enden, werden bereits in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts genannt.

Mit der Besiedlung der Mainebene durch fränkische Gutsherren kam es zur Gründung erster Siedlungen und Dörfer; da sich um die neu entstandenen Höfe Einheimische und Zugewanderte ansiedelten. Sie gaben den Dörfern den Namen ihres Lehnsherren. So wurde aus dem Heim des ,,Suzo” Suzoheim und später eben Sossenheim.

Dass Sossenheimer Boden auch Spuren römischer Besiedlung aufweist, sei hier nur am Rande erwähnt. Am Nordrand Sossenheims verlief eine Militärstraße. So versorgten römische Ziegeleien aus der Gegend um Sossenheim den Vordertaunus und die Wetterau mit Baumaterial.

Selbstverständlich lebten auch schon in vorrömischer Zeit Menschen in dieser Gegend. So haben Archäologen in und um Sossenheim Funde aus der Stein-, Bronze- und Eisenzeit (Kelten) gemacht.

Das mittelalterliche Sossenheim war geprägt durch bäuerliches Leben. Die Sossenheimer verdienten sich ihr täglich Brot hauptsächlich durch die Arbeit auf den Feldern. Das Leben war hart und entbehrungsreich. Hohe Kindersterblichkeit, unheilbare Krankheiten und ein früher Tod (Lebenserwartung etwa 30 Jahre) prägten das Leben. Kein Wunder; dass die Kirche mit einer der wichtigsten Orte im Dorfe war. Selbst das frühe Sossenheim muss eine eigene keine Kapelle besessen haben, zumal ein schutzbietendes Gotteshaus im Mittelalter immer den Mittelpunkt der Besiedelung bildete.

In Sossenheim wird es nicht viele freie Bauern gegeben haben. Sie hatten einen Grundherren. Die Äcker und Wiesen der Grundherren (Grundbesitzer) wurden von den ortsansässigen Bauern oder sogar Leibeigenen bewirtschaftet.

Die Grundherren waren bestrebt, ihre nur auf ihren eigenen Hof beschränkte Grundherrschaft auf eine umfassende Dorfherrschaft zu erweitern, wie es dem Erzbischof und Kurfürsten Mathias v. Mainz (die Kurmainzer Straße erinnert daran) in Sossenheim gelang. Die Besitzverhältnisse hatten vorher oft gewechselt. So gehörten zu Sossenheims Grundherren u. a. noch die Ritter von Kronberg, die Herren von Falkenstein, das Erzstift Trier und auch Frankfurter Bürger.

In Kriegs- und Notzeiten fanden die ,,armen Leute”, wie damals die Landbewohner genannt wurden, in der nahen Reichsstadt Frankfurt Schutz. Allerdings war dieses „Burgrecht” nicht umsonst. Die Bewohner mussten dafür jährlich eine Zahlung leisten und mithelfen, die Stadtbefestigung mit Hacke und Schaufel auszubessern.

Im Jahre 1438 hatten die Sossenheimer genug und kündigten den Vertrag mit Frankfurt. Danach begaben sie sich unter den Schutz von Höchst, das ebenfalls Schutzmöglichkeiten bot, jedoch billiger und näher.

Der 30jährige Krieg hinterließ im katholischen Sossenheim einen völlig zerstörten Ort und verwüstete Felder. Annähernd die Hälfte der Einwohner wurde hinweggerafft.

Am 19.06.1622 kam es zur ,,Schlacht bei Höchst”. Der Name ist missverständlich, da die Schlacht eigentlich in und um Sossenheim stattfand. Christian v. Braunschweig hatte sich mit seinen Truppen westlich von Sossenheim verschanzt Der Straßenname ,,Auf der Schanz” bezeugt heute noch das ehemalige Schlachtfeld. Graf Tilly, der Gegner Christians, rückte mit seinen Truppen von Frankfurt an, ließ Sossenheim und die feindlichen Truppen mit Kanonen beschießen und entschied schlussendlich die Schlacht für sich. Zurück ließ er das zerstörte Sossenheim. Die Sossenheimer; die sich retten konnten, kehrten aus den abseits gelegenen Taunusorten zurück, wo sie hingeflüchtet waren. Sie bauten Sossenheim mühsam wieder auf.

Zählte Sossenheim 1609 noch 64 Familien mit 320 Einwohnern, so waren es 1623 noch 41 Familien mit ca. 190 Einwohnern.

1771 gab es 75 Haushalte mit 358 Einwohnern. Davon waren 57 Bauern, 2 Schmiede, 2 Maurer; 1 Müller; 1 Bäcker; 1 Wagner; 1 Schneider; 1 Weber; 1 Krämer; 7 Tagelöhner; 25 Pferde, 246 Ochsen und Kühe sowie 222 Schweine (aus: Adalbert Vollert, Sossenheim, Frankfurt 1980, Seite 196).

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden in Sossenheim Ziegelbrennereien. Hohe Schornsteine der Ringöfen prägten nun das Bild des Dorfes. Die in Baracken untergebrachten Wanderarbeiter brachten Sossenheim um seinen guten Ruf. Schnapskonsum, Schlägereien und Messerstechereien führten dazu, dass die Einwohner der umliegenden Dörfer Sossenheim nur noch als Mordheim bezeichneten. Erst in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts versiegten die Lehmvorkommen, womit dieses dunkle Kapitel in der Sossenheimer Geschichte ein Ende fand. 1928 wurde dann Sossenheim mit etwa 4800 Einwohnern zu Frankfurt eingemeindet. Es wurde damit Stadtteil und verlor seinen Dorfcharakter.

Der kontinuierliche Bevölkerungsanstieg in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts lässt sich an der Entwicklung der Schulhäuser ablesen.

Das erste  Schulhaus (Michaelstraße) wurde 1721 erbaut. 1837 konnte das neue Schulhaus am Sulzbach (Alt Sossenheim 62) bezogen werden. Ein zweites Schulhaus (Alt Sossenheim 9) kam bereits 1881 dazu. Die heutige Albrecht-Dürer-Schule (Riedstraße) wurde im Jahre 1912 fertig gestellt und reichte dann endlich aus, bis im Jahre 1967 die Eduard-Spranger-Schule eingeweiht wurde. Der Bau der beiden Großsiedlungen Carl-Sonnenschein-Siedlung und Hemi-Dunant-Siedlung hatten eine weitere Schule notwendig gemacht. Geteilt wird die Eduard-Spranger-Schule 1971 in eine selbständige Grundschule und eine Haupt- und Realschule. Die Grundschule trägt den Namen Henri-Dunant-Schule, wie die gleichnamige Großsiedlung.

1993 kam eine weitere Großsiedlung auf dem ehemaligen Moha-Gelände dazu, der sogenannte Westpark. Zur Zeit hat Sossenheim mehr als 15.000 Einwohner.

Literatur: Adalbert Vollert, Sossenheim, Frankfurt 1980

von Ingo Großhans (Konrektor der Henri-Dunant-Schule)

Sossenheim – heute

Etwa 15 000 Einwohner leben heute im Stadtteil Sossenheim, im Norden begrenzt von der Autobahn Frankfurt-Wiesbaden im Süden von der Nidda, einem Nebenfluss des Mains. Der alte Dorfkern wurde durch den Bau von mehreren Siedlungen erweitert. Handwerk, klein- und mittelständisches Gewerbe finden in Sossenheim eine gute Verkehrsanbindung zur Autobahn, zur Innenstadt von Frankfurt und zum Flughafen .

In Sossenheim herrscht ein reges Vereinsleben. Der wohl bekannteste Verein ist der RV Sossenheim als Ausrichter mehrerer Radrennen im Jahr, auch dem wohl bekanntesten Radrennen in Deutschland “Rund um den Henninger Turm”.

Haupt- und Realschule